Campus der Religionen
Differenz & Einheit.
ANKAUF | Anerkennungspreis
Planungszeitraum: 2020
Nutzfläche: 20.000m2
Architektur: Mina Yaney
Tragwerksplanung: Bollinger+Grohmann
Brandschutz: FireX Gresslehner GmbH
Landschaftsplanung: Kräftner Landschaftsarchitektur
HKLS: Ingenieurbüro Russ
Elektrotechnik: ETHF – Helmut Fortmüller
Mitarbeit: Karola Gump
Eine interreligiöse Begegnungsstätte
Der Entwurf des “Campus der Religionen” wird ausgehend von dem “Raum des Gemeinsamen” entwickelt. Die bauliche Klammer, der “gemeinsame Platz” und die Landschaftsplanung werden nicht nur lediglich als ein zu erfüllendes Raum- und Funktionsprogramm betrachtet. Vielmehr sind diese 3 Vorgaben die konstituierenden Elemente der entwickelten Gebäudetypologie welche Landschaft und Bauwerk zu einer neuartigen Architektur verweben.
Der zentrale gemeinsame Platz, welcher in direkter Erweiterung zum “Platz der Kulturen” angelegt ist, zieht sich in die Höhe und formt graduell den Campus als topographische Haut. Gebäude, Dachlandschaft und der gemeinsame Platz bilden dadurch eine Einheit mit Verschränkungen auf unterschiedlichen Niveaus. Die Dachlandschaft fungiert als „Flying Garden“ und öffnet den gesamten Campus zur Öffentlichkeit. Dieser schwebende Garten kann auch, in der ersten Phase, mit der KPH realisiert werden.
Im Westen, in der Flucht des Kulturplatzes, befindet sich der Haupteingang, das Portal, zum gesamten Campus, bestehend aus 3 Bogentoren. Sie ziehen den Blick der Besucher 10 Meter in die Höhe und verweisen auf die numerologische Bedeutung der Zahl 3 als Zahl der Synthese. Als Summe von 1 + 2 stellt sie die Zahl einer höheren neuen Einheit dar. Ein Symbol für Vermittlung (These, Antithese, Synthese) und in den unterschiedlichen Religionen die Zahl der Einheit (im Christentum: Dreifaltigkeit / Vater, Sohn, Heiliger Geist, im Islam: 3 Körperwaschungen, im Buddhismus: Buddha, Dharma und Saṃgha, in der ägyptischen Mythologie: Osiris, Isis und Horus usw.) Die Zwischenräume, zwischen den Bögen sind ebenfalls Durchgänge und verweisen auf die Existenz von interreligiösen Zwischenräumen.
Der Campus baut sich graduell mit der Dachlandschaft von Süden nach Westen auf und findet den baulichen Höhepunkt in der KPH im Nordosten. Beginnend mit der Freitreppe im Südwesten, welche Teil des röm. katholischen Sakralbaus ist, und den Weg zum See und den Grünraum im Süden aufnimmt, entwickelt sich die Landschaft und formt graduell, in Dialog mit dem gemeinsamen Platz, den Baukörper der KPH.
Die Religions- gemeinschaften bilden, als eigenständige und hohe Baukörper, einen Cluster um den gesamten Bauplatz und haben jeweils einen straßenseitigen und hofseitigen Zugang. Sie verbinden dadurch den öffentlichen Raum mit dem gemeinsamen Platz.
Das Gründach ist eine fliegende Parkanlage sowie bauliche und symbolische Klammer, welche als Raum des Göttlichen oder der Transzendenz konzipiert wird und sich als topographische und programmatische Kontinuität des „gemeinsamen Platzes“ und des öffentlichen Raums, vom Erdgeschoss bis auf das Dach der KPH zieht. Die großzügige Dachlandschaft wird von 2 Punkten aus im 2.OG der KPH, der Freitreppe im Süden und über alle Aufzüge und Treppenanalagen erschlossen. Sie zieht sich über die gesamte KPH und allen Sakralbauten und beträgt ca. 5700m2.
In der EG Zone praktizieren die Religionsgemeinschaften ihre individuellen und unterschiedlichen Rituale und Gebete während auf der Dachterasse ein Ort der Vernetzung und interreligiösen Einheit zelebriert wird. Der Grünraum, „das Organische“, ist das verbindende Element welches alle Religionen vereint. Dieses Landschaftskontinuum ist daher der „gemeinsame Nenner“ oder die Haut die uns verbindet und zusammenhält. Die Haut als Mediator, zwischen Umwelt und physiologischen Abläufen im lebendigen Organismus, wird zum identitätsgebenden Leitbild des Campus welcher als Haut zwischen den unterschiedlichen Religionen der Welt sowie zwischen dem Menschlichen und Göttlichen vermittelt.
Das gesamte Bauwerk soll diese mediierende Mission räumlich und architektonisch materialisieren und dadurch intensivieren. Dies durch eine hybride Gebäudetypologie welche Bauwerk und Parkanlage zu einer neuartigen architektonischen Einheit synthetisiert.
Durch die Großmaßstäblichkeit der Parkanlage entsteht eine architektonische Komposition welche einerseits als Einheit wahrgenommen wird, sich jedoch andererseits in ständiger Transformation befindet. Es entsteht eine evolutions-orientierte Einheit welche stellvertretend für die holistische Philosophie des Campus der Religionen ist.
Verstärkt wird dies durch die Lichtkuppeln als räumlich durchdringendes Element. In der EG Zone, in den Sakralräumen, fungieren diese als Oberlichte der einzelnen Gebetsräume. Die Glaskuppeln sind mit den wichtigen Gebeten der jeweiligen RG versehen. Sie sind jeweils über der Zone des Altars platziert. In der Dachzone fungieren diese als Licht- und Gebetskörper, welche die Altäre der Religionsgemeinschaften für die Allgemeinheit zugänglich machen, und einen interreligiösen Raum ermöglichen.
Die Sakralräume werden auch, durch die Glaskuppeln, in Form von Stoßlüftungen natürlich be- und entlüftet. Im Brandfall ermöglichen die Glaskuppeln, durch Öffnungen, eine natürliche und umweltschonende Entrauchung. Das Landschaftskontinuum zieht sich über den gesamten Campus und hat eine eigene barrierefreie Wegführung, welche durch die KPH führt, um zu höhergelegenen Grünflächen zu gelangen.
Tragwerksplanung:
Der Entwurf umfasst ein zwei- bis fünfgeschossiges Baukörper mit einer trapezartiger Grundrissgeometrie. Um eine möglichst schnelle Bauzeit zu ermöglichen, ist die Konstruktion der Obergeschoße großteils aus Fertigelementen & Halb-Fertigelementen geplant.
Die Decken der Obergeschoße sind als Holz-Beton Verbundsystem vorgesehen. Als Hybridsystem hat dieses System den Vorteil die Vorzüge von zwei Baustoffen miteinander zu verknüpfen. Dabei nimmt das Holz die Zug- und der Beton die Druckkräfte auf, welche auf die Decke wirken. Das gewählte Deckensystem verfügt über eine hohe Traglast und Biegesteifigkeit bei verhältnismäßig geringem Eigengewicht und relativ niedriger Gesamthöhe.
Die Holzplatten des Deckensystems lagern auf in Längsrichtung laufenden Holzträgern auf. Aufgrund erhöhter Lasten sieht die oberste Decke Stahlträger statt Holzträger vor. Der Raum zwischen den Holzträgern wird für Haustechnikleitungen genutzt, so dass die effektive Deckenhöhe möglichst reduziert ist. Der vertikale Lastabtrag erfolgt mittels Kernwandscheiben und Holzstützen entlang der Stützenachsen.
Die hofseitige Treppengeometrie ist in Stahlbetonbauweise konzipiert. Schräge Stahlbeton Zahnträger liegen auf Stahlbetonstützen auf, und dienen als Auflager für eine tribühnenartige Treppenkonstruktion in Fertigteilbauweise. Horizontale Gebäudeaussteifung – Die horizontale Aussteifung des Gebäudes erfolgt über Liftkerne und Wandscheiben aus Stahlbeton. Diese sind in beiden Hauptrichtungen des Gebäudes angeordnet, und leiten horizontale Lasten bis in die Fundierung ab.
Das Bauwerk wird entsprechend der Gründungsempfehlung des Bodengutachtens über eine Stahlbetonplatte unter dem Kellergeschoss fundiert. Im Bereich erhöhter Lastkonzentration kommt es zur gevouteten Aufdickung der Bodenplatte. Die Stahlbetonbauteile der Untergeschoße als WU- Konstruktion vorgesehen.
Die gewählte Bauweise ermöglicht einen hohen grad der Vorfertigung und einen sehr raschen Bauablauf. Einfache Tragstruktur die durch den Einsatz von Holz-Beton- Verbunddecken einen geringen Betonverbrauch aufweist, steht im Einklang mit dem Konzept zur Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit.













